Literaturrunde

Die Literaturrunde versteht sich als offene Runde, also ohne fixe Mitgliedschaft, Teilnahme nach Interesse – Neueinstieg zu jedem der kommenden Termine (Beginn jeweils 19 Uhr im Pfarrzentrum Neumarkt) möglich!

Jahresthema 2021 / 2022 – Frauenliteratur

Unterleuten

Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh (27. September 2021)

Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches. Mit “Unterleuten” hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Das Land der Anderen

Der Nr.-1-Bestseller aus Frankreich – der neue gefeierte Roman von Leïla Slimani. Über das Leben in der Fremde, eine unkonventionelle Liebe und eine Welt im Umbruch (15. November 2021)

Mathilde, eine junge Elsässerin, verliebt sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine Belhaj, einen marokkanischen Offizier im Dienst der französischen Armee. Die beiden heiraten und lassen sich in der Nähe von Meknès nieder, am Fuß des Atlas-Gebirges, auf einem abgelegenen Hof, den Amine von seinem Vater geerbt hat. Während er versucht, dem steinigen Boden einen kargen Ertrag abzutrotzen, zieht Mathilde die beiden Kinder groß. Voller Freiheitsdrang hatte sie den Aufbruch in ein neues, unbekanntes Leben gewagt und muss doch bald ernüchternde Erfahrungen machen: den alltäglichen Rassismus der französischen Kolonialgesellschaft, in der eine Ehe zwischen einem Araber und einer Französin nicht vorgesehen ist, die patriarchalischen Traditionen der Einheimischen, das Unverständnis des eigenen Mannes. Aber Mathilde gibt nicht auf. Sie kämpft um Anerkennung und ihr Leben im Land der Anderen.

Altes Land

Roman von Dörte Hansen – ausgezeichnet mit dem Usedomer Literaturpreis 2016 (10. Jänner 2022)

Das »Polackenkind« ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine andere liebt. Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Sie packen aus

Mathilde Schwabeneder (14. März 2022)

Über viele Jahrzehnte war die Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Italien von Männern dominiert. Doch seit den 1970ern hat eine neue Generation von Frauen begonnen, gegen die Mafia Widerstand zu leisten. So vertraute Piera Aiello, Augenzeugin bei der Ermordung ihres Mannes, ihr Wissen den Staatsanwälten an und engagiert sich bis heute als Parlamentarierin für einen besseren Schutz der Kronzeugen. Fotografin Letizia Battaglia dokumentiert als Chronistin der Mafia ihre Taten, wie etwa die Ermordung des Bruders des heutigen Staatspräsidenten. Die Journalistin Allessia Candito, mehrfach durch die kalabrische Mafia bedroht, deckt die Verbindungen zwischen Kirche und Mafia auf. Und Laura Garavini setzt mit ihrer Gründung einer Anti-Mafia-Bewegung in Deutschland den Kampf gegen die Mafia auch im deutschsprachigen Raum fort. Mathilde Schwabeneders Porträt dieser Frauen zeichnet ein verstörendes und eindrucksvolles Bild eines Kampfes gegen eine Macht, bei dem ein Sieg aussichtslos scheint – trotzdem kämpfen diese Frauen weiter.

Die alte Johanna

Roman von Renate Welsh (30. Mai 2022)

Die 13-jährige Johanna kommt voller Hoffnung auf eine Ausbildung in ein kleines niederösterreichisches Dorf. Doch dort angekommen, muss sie auf einem Bauernhof arbeiten, unentgeltlich und unter katastrophalen Bedingungen. Johanna teilt das Schicksal vieler unehelicher Mädchen im Österreich der 1930er-Jahre, das geprägt ist durch Armut, politische Unruhen und den aufkommenden Nationalsozialismus. Jahrzehnte später muss Johanna einsehen, dass sie nicht mehr allein in dem Haus leben kann, in dem sie ihre acht Kinder großgezogen hat und in dem ihr Mann gestorben ist. Trotz der ewigen Geldknappheit, trotz der Vorurteile gegen das »rote Gesindel« am unteren Ende des Dorfes gelang es ihr, ihren eigenen Weg zu finden und ihre Familie zusammenzuhalten. Nun aber ist die Zeit gekommen, wo sie, die immer gegeben hat, auch nehmen lernen muss. Renate Welsh erzählt einfühlsam und ergreifend über Johannas Leben und verknüpft es mit dem Schicksal einer ganzen Generation. Mit »Die alte Johanna« ist ihr eine grandiose Fortsetzung ihres Jugendbuchklassikers gelungen, die das Leben einer bemerkenswert starken und mutigen Frau resümiert.

Verantwortlicher

Robert Brunbauer (und wechselndes Team)

Tel. +43 680 2065963

eMail: brunbauer@gmx.at

Zitate

Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zum eigenen Denken zu verleiten. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt. (Arabisches Sprichwort)

Lesen, ein Buch lesen – für mich ist das das Erforschen des Universums. (Duras, Marguerite)

Das Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

Die guten Bücher sollte man verbieten, damit sie auch gelesen werden. (Farkas, Karl)

Bücher der letzten Jahre

Jahresthema 2020 / 2021 – Neue österreichische Literatur

  • Dietmar KRUG, Von der Buntheit der Krähen
  • Bettina GÄRTNER, Herrmann
  • Monika HELFER, Die Bagage
  • Martin POLLAK, Die Frau ohne Grab
  • Judith W. TASCHLER, Das Geburtstagsfest

Jahresthema 2019 / 2020 “Osteuropäische Literatur”

  • Swetlana ALEXIJEWITSCH: “Secondhand-Zeit”
  • Navid KERMANI: “Entlang den Gräben”
  • Andrzej SZCZYPIORSKI: “Die schöne Frau Seidenman”
  • Abbas KHIDER: “Ohrfeige”
  • Vladimir NABOKOV: “Lushins Verteidigung”

Jahresthema 2018 / 2019 “Afrika”

  • Taiye SELASI: “Diese Dinge geschehen nicht einfach so”
  • Anthony SAMPSON: “Nelson Mandela”
  • Chinua ACHEBE: “Okonkwo oder Das Alte stürzt”
  • Leymah Roberta GBOWEE: “Wir sind die Macht”
  • Henning MANKELL: “Die weiße Löwin”

Jahresthema 2017 / 2018 “Literatur aus Lateinamerika”

  • Carlos FUENTES – Die Jahre mit Laura Diaz
  • Gabriel Garcia MARQUEZ – Der General in seinem Labyrinth
  • Isabel ALLENDE – Portrait in Sepia
  • Mario Vargas LLOSA – Das Fest des Ziegenbocks
  • Julia ALVAREZ – Die Zeit der Schmetterlinge

Jahresthema 2016 / 2017 “Naher Osten”

  • Navid KERMANI, Ausnahmezustand
  • Susan ABULHAWA, Während die Welt schlief
  • Zoe FERRARIS, Totenverse
  • John KNITTEL, El Hakim
  • Franz WERFEL, Die 40 Tage des Musa Dagh

Jahresthema 2015 / 2016 „Unbekanntes Europa“

  • Vea Kaiser „Makarionissi oder Die Insel der Seligen“
  • Ivo Andric „Die Brücke über die Drina“
  • Miljenko Jergovic „Wolga, Wolga“
  • Thomas Sautner „Fuchserde“
  • Ismail Kadare „Chronik in Stein“

Jahresthema 2014 / 2015 „historische Erzählungen“

  • Martin Pollack „Der Tote im Bunker – Bericht über meinen Vater“
  • Frank Schätzing „Tod und Teufel“
  • Heinrich Theodor Böll „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“
  • Peter Manseau „Die Bibliothek der unerfüllten Träume“
  • Pearl S. Buck „Die gute Erde“

Jahresthema 2013 / 2014 “verfilmte Bücher”

  •  Katherine Ann Porter „Das Narrenschiff“
  • Salman Rushdie „Mitternachtskinder“
  • José Saramago „Die Stadt der Blinden“
  • Imre Kertész „Roman eines Schicksalslosen“
  • Hans Fallanda „Jeder stirbt für sich allein“