Silvesterpredigt 2011
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es gibt viele Möglichkeiten, ein Jahr zu verabschieden und ein Neues zu begrüßen. Auch Sie werden sich heute Abend für eine Form entschieden haben, die zu Ihnen passt und in der Sie sich wohl fühlen. Die einen mögen es lauter, die anderen lieben eher stillere Töne. Manche wiederum müssen arbeiten.
So oder so, jedenfalls deutet Ihre Anwesenheit hier in der Pfarrkirche, dass es Ihnen ein Bedürfnis ist, das vergangene Jahr vor und mit Gott bewusst zu beschließen – dankbar, vielleicht auch erleichtert, oder einfach besinnend nachdenklich. Aber diese Stunde heute Abend – eine von 8.760 Stunden im ganzen Jahr – ist mit Sicherheit nicht die einzige, in der Sie Erlebtes verarbeiten und Bevorstehendes bedenken. Vielleicht tun Sie das sogar regelmäßig, wöchentlich oder sogar täglich.
Eine bewährte Form des meditativen Tagesrückblicks hat der große Exerzitienmeister und Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola gelehrt. In seiner schlichten Einfachheit und übersichtlichen Struktur kann es zum sinnvollen Element eines jeden spirituellen Lebens werden, Eines Lebens, das versucht, Gottes Spuren im Alltag zu entdecken. Für Ignatius war es die wichtigste Viertelstunde des Tages. Wir wollen diese Übung heute Abend vollziehen, in leicht abgewandelter Form, gemeinsam im Blick auf das Jahr, betend und nachdenkend – und zwar in 4 Schritten:
Erster Schritt: Mich einfinden und gegenwärtig werden.
Der erster Schritt hat bereits damit begonnen, dass wir uns zum Gottesdienst versammelt haben und vor Gott hingetreten sind. So wie wir sind, mit dem was uns gerade bewegt. Gott nimmt uns an, mit all unseren Schwächen und Fehlern des vergangenen Jahres. Nun können wir ruhig sein vor Gott, in seiner Gegenwart. Im Psalm 62 heißt es: „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, denn von ihm kommt meine Hoffnung.“ In dieser Haltung des Psalmenbeters wollen wir aufmerksam werden, und in liebender Aufmerksamkeit zurückblicken.
Und so kommen wir zum zweiten Schritt: Das vergangene Jahr anschauen.
Lassen Sie uns das vergangene Jahr Revue passieren. Viele Ereignisse haben in den Medien unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich nennenein Paar Schlaglichter aus der Politik, Kirche, Gesellschaft und unserer Pfarre.
- „Arabischer Frühling“ – der demokratische Aufbruch in der arabischen Welt Nordafrikas, der allerdings auch die Gefahren für die Christen beinhaltet.
- „Fukushima“ – das schwere Erdbeben am 11. März in Japan und die folgende Nuklearkatastrophe.
- Mitte März entscheidet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Kruzifixe in Klassenzimmern keinen Verstoß gegen das Grundrecht der Religionsfreiheit bedeuten.
- Am 25. März erscheint der Jugendkatechismus „Youcat“ auf Deutsch.
- Zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II kommen am 1. Mai fast 1,5 Millionen Menschen nach Rom.
- In Somalia, Äthiopien und Kenia herrscht die Dürrekatastrophe, in Ostafrika bricht eine Hungersnot aus.
- Vom 15. bis 21. August findet in Madrid der Weltjugendtag mit mehr als einer Million Pilger statt.
- Es bricht die Krise rund um den Euro aus.
- 25 Jahre nach dem ersten Friedenstreffen kommen am 27. Oktober der Einladung Papst Benedikt des XVI folgend 300 Vertreter der Weltreligionen zu einem Gipfeltreffen und gemeinsamen Gebet nach Assisi.
Aus der Pfarre:
- Im vergangenem Jahr wurden in unseren Gemeinde 10 Kinder getauft.
- 18 Kinder feierten ihre Erste Heilige Kommunion.
- 26 Jugendliche nahmen an der Vorbereitung zum Sakrament der Firmung teil und die meisten haben, gemeinsam mit den Firmkandidaten von St. Martin, am 14. Mai das Sakrament der Firmung in der Pfarrkirche empfangen.
- 9 Menschen haben unsere Gemeinschaft verlassen.
- Wir hatten keine Hochzeiten.
- 5 neue Ministranten verstärkten diese Gemeinschaft, die nun 32 Kinder zählt!!
- Am Christkönigssonntag wurden auch neue Gruppenleiterinnen, neue Jungscharkinder begrüßt.
- Mit großer Freude haben sehr viele Kinder, Gruppenleiterinnen, Hilfsgruppenleiterinnen, Köche und Köchinnen am Jungschar-Lager teilgenommen. Es war ein unvergessliches Erlebnis für alle Teilnehmer. Ich danke Thomas Rab und Markus Sitz für die Organisation, gemeinsam mit den JS-Leitern.
In diesem Jahr haben wir – wie schon seit langem – unser Pfarrgartenfest gefeiert. Das war wieder mit viel und gut organisierter Arbeit verbunden, hat aber für alle viel Freude gebracht. Das Zusammenkommen, das miteinander Feiern können, prägt uns und es ist sicherlich ein Markenzeichen unsere Pfarre und Gemeinde. Den Erlös in der Höhe von € 3.083,91 wurde für pfarrliche Zwecke verwendet. Genauso wie der Erlös vom Faschingspfarrcafé € 854,16 und € 2.525,91 vom Christkönigsmarkt – insgesamt € 6.463,98. An dieser Stelle danke ich herzlich allen die sich bei den diversen Festen beteiligt und ihre Zeit für die Pfarre geopfert haben.
Was ist geschehen mit diesem Geld?
Es wurden Kosten für die Bereinigung der Grundgrenzen um das Pfarrzentrum getragen. Für die Vermessung zahlten wir € 4.265, Kosten für Notar etc. folgen noch.
Die Kosten für die Heizung im Jahr 2011 betragen € 8.183,16. Die Spenden für diesen Zweck zu Silvester 2010, Neujahr 2011 und Erntedanksammlung machen zusammen € 5.051,55 aus – Vergelt´s Gott für Ihre Unterstützung.
Der neue schöne – und finde ich passende – Taufsockel beim Taufbecken kostete € 2.202.
Im Pfarrhaus wurde die sehr alte Wohnung des Altpfarrers saniert. Die Kosten von € 48.245, hat die Diözese St. Pölten getragen.
Ein großer Posten ist heuer die neu geweihte Kapelle Kemmelbach. Mit rund € 50.000 für die baulichen Maßnahmen hat die Lebenshilfe das Projekt unterstützt. Für die Neuanschaffungen von Sessel und Bänken, Sakristeikästchen, Tabernakelsanierung, Schlüssel usw. hat die Pfarre bis jetzt € 27.217 bezahlt. Am 9. Dezember wurde der Altar in der Kapelle Kemmelbach von Diözesanbischof DDr. Klaus Küng geweiht, es war ein sehr schönes Fest für alle Beteiligten.
Heuer wurden 3 neue Messgewänder von Diakon Roman gespendet, lieber Roman Vergelt´s Gott für deine Großzügigkeit.
Es gab wieder vieles in unserer Pfarre, an das wir uns besser oder schlechter erinnern können. Jedem Einzelnen von Ihnen möchte ich für sein Tun in der Pfarre und für die Pfarre Vergelt´s Gott sagen, denn ohne sie wäre vieles nicht möglich. Unsere Pfarrgemeinschaft hätte es schwer, wir könnten niemanden einladen sich ihn ihr wohlzufühlen und die Kraft und Freude der Gemeinschaft zu spüren. Also Vergelt´s Gott!
Aber es geht nicht nur um Schlagzeilen, Daten oder Zahlen, sondern auch um uns selbst. Was hat Ihr Jahr besonders geprägt? Was steigt gerade jetzt in Ihnen auf? Ein Erlebnis, eine Erfahrung, eine Begegnung, ein Glücksmoment, oder ein trauriges Ereignis?
Nun kommt der dritte Schritt: Persönliches vor Gott bringen.
„Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe.. .“ – so wie der Psalmist sich selbst vor Gott bringt, so bringen wir das vor Gott, was aus unserer Erinnerungen kommend nun vor uns liegt: Freude, Glück, Gelassenheit, Unruhe, Betroffenheit, Trauer, Schmerz, Enttäuschung, Schuld, Gespanntheit, Hoffnung, Freiheit, Frieden, Erfüllung…
Es geht nun darum mit den “Augen des Herzens“ zurückzublicken, mit dem Herzen zu verstehen, was das Jahr über geschehen ist.
Wie ist in all dem der Geist Gottes am Werk gewesen? Habe ich eine überraschende Erfahrung dieses Geistes machen können? Oder habe ich diesen Geist gerade dort vermisst, wo ich ihn am stärksten erhofft habe?! Empfinde ich gerade jetzt eine Sehnsucht nach Glück und Erfüllung? Auch diese kann ich vor Gott bringen im Vertrauen und in der Hoffnung, dass er sie annimmt und erfüllt.
Vierter Schritt: auf das nächste Jahr zugehen.
Wer zurückschaut, blickt zugleich auch nach vorne. Während wir das vergangene Jahr bedenken, steht das neue schon unmittelbar bevor. Auf das Neue Jahr 2012 können wir ebenso bewusst zugehen, wie wir das alte Jahr 2011 hinter uns lassen. Was bewegt mich im Hinblick auf den morgigen 1. Jänner 2012, persönliche Großereignisse im neuen Jahr, in meiner Familie, bei Freunden und Bekannten, in der Gemeinde und der Pfarrkirche? Welche Hoffnungen verbinde ich mit dem neuen Jahr? Welche Ängste und Befürchtungen?
In der Pfarre erwartet uns die große Pilgerfahrt ins Heilige Land, 45 Personen haben sich fix angemeldet.
Am 18. März findet die Pfarrgemeinderatswahl statt. Miteinander werden wir versuchen, den Glauben zu verkünden und das Pfarrleben zu gestalten.
Eine Woche später am 25.03 begehen wir 20 Jahre Kirchweihfest. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. Ich möchte Sie einladen an dem Fest selbst, sowie an dem Programm, das dem Fest vorausgehen wird, teilzunehmen.
Im kommenden Jahr, genau am 29. Juni, wird Pfr.Streißelberger Johann sein Goldenes Priesterjubiläum begehen. Schon jetzt möchte ich ihm weiterhin Gottes Segen sowie viel Gesundheit wünschen und Danke sagen für die ständige Unterstützung!!
Vor dem Pfarrhof wollen wir Parkplätze errichten. Dazu brauchen wir unterschiedliche Genehmigungen. Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dass sie uns weiterhin unterstützt wie bisher. Dem Bürgermeister Otto Jäger, Vize-Bürgermeister und den Gemeinderäten danke ich herzlichst für die hervorragende Zusammenarbeit und die Unterstützung in den pfarrlichen Belangen.
Im Pfarrkirchenrat haben wir weitere Ideen, die noch hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten und Priorität zu prüfen sind, wie zum Beispiel Vergrößerung der Pfarrküche im Pfarrzentrum.
All das kann ich, können wir Gott übergeben. Nicht um es loszuwerden, sondern um es nicht alleine tragen zu müssen. Ohne Zweifel ist es gut, dass wir nicht in die Zukunft schauen können. Aber es tut auch gut, aus der Gewissheit zu leben, dass einer hinter uns steht, der uns auffängt, wann immer es nötig ist. Es tut gut, vertrauen und hoffen zu können, dass irgendwann einmal der liebe und gnädige Gott unsere krummen Wege gerade machen wird. Beten wir zum Schluss mit den Worten des heiligen Ignatius:
Nimm, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis,
meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und mein Besitzen.
Du hast es mir gegeben; Dir, Herr, gebe ich es zurück.
Alles ist Dein, verfüge nach Deinem ganzen Willen.
Gib mir Deine Liebe und Gnade, denn diese genügt mir.
Amen.

