Kapelle Kemmelbach

Kapelle Kemmelbach - Altar
Kapelle Kemmelbach – Alter

Geschichte der Schlosskapelle

in der Neudenburg zu Kemmelbach und das damit verbundene seelsorgliche Wirken. 

Bajuwarische Siedler kamen um die erste Jahrtausendwende in das Land und brachten den christlichen Glauben. Die Gründung des Hofes zu Chemnatspach (neben dem gleichnamigen Ort) wird auf diese zurückgeführt und der Bestand einer Kapelle in diesem Hof ist anzunehmen. Seelsorglich dürfte schon damals die sehr alte Pfarre Petzenkirchen auch in Kemmelbach tätig gewesen sein. Der Holzinger-Berg war dazumal leichter zu bewältigen, wie die Furten durch den Ybbsfluß. Im 14. Jh. wurde das Dorf Kemmelbach zur Pfarre Petzenkirchen eingepfarrt. Leider gibt es dann keine genaueren Angaben über die Kapelle bis zum Jahr 1683. Damals wütete eine Horde Türken im Ort, sie mordeten, plünderten und zerstörten die Kapelle. Ein Jahr später, also 1684, erfolgte jedoch bereits wieder ein Ansuchen um eine Messlizenz für die Schlosskapelle in Kemmelbach.

Im Jahre 1783 wurde die Gemeinde Kemmelbach und das Dorf Winden (Wolfsberg wurde noch zu Winden gezählt) nach Neumarkt eingepfarrt. Eine Holzbrücke über die Ybbs gab es seit 1734, damit war der Kirchweg bedeutend kürzer. Wie schon zuvor strebten die Bewohner von Kemmelbach die Errichtung eines eigenen Seelsorgepostens in ihrem Ort an, ihre Eingaben wurde jedoch vom beschöflichen Ordinariat immer wieder abgelehnt.

Im Jahre 1785 wurde eine Messlizenz für die Schlosskapelle erteilt, geweiht auf den Gekreuzigten Heiland. Am 15. Juli 1789 erhielt der Schlossbesitzer und Postmeister Paul Hayder die Erlaubnis, durch den Kaplan Franz (Ignaz) Wimmer in der Schlosskapelle zu Neudenburg Messen zu lesen und das Evangelium erklären zu lassen.

Am 9. Mai 1905 hielt Bischof Johannes Rössler Firmungen in Steinakirchen und Neumarkt. Anschließend besuchte er die Schlosskapelle und weihte den neuen Marmoraltar. Der Patron der Kapelle ist der hl. Ignatius. Die Reliquien der hl. Märtyrer Placidus, Severus und Justina wurden im Altartisch eingeschlossen. Diese Altartischplatte wurde 1954 bei der Verlegung der Kapelle vom Erdgeschoß in den ersten Stock des Schlosses als Bodenplatte verbaut und befand sich seither unter dem Altartisch.

Priester in der Schlosskapelle

1789 – 1791 Kaplan Franz Ignaz Wimmer
1792 Pater Eugen Geldschick
1928 – 1938 Pater Mag. Vinzenz Zapletal
1940 Pater Placidus aus dem Schottenorden
  Pater Wolfgang Nedwid
  Pater Hironymus
  Pater Wilhelm Sekyra
1943 – 1950 Pfarrer Prof. Leonhard Haschler
  Pater Ernst Trompeter
  Pater Berthold
1952 – 1957 Pater Agapit Finke
1957 – 1958 Pfarrer Ferdinand Maurerlechner
1958 – 1961 Pfarrer Franz Müllner
1961 – 1964 Dechant Josef Essmeister
1965 – 1976 Pater Ludwig Ilencik

 

Am 23. 9. 1927 kauften die Schwestern des zweiten Dominikanischen Konvents in Wien Hacking das Schloss und machten es zum Kloster. Sie erwirkten beim damaligen Bischof Memelauer die Urkunde für die Messlizenz und auch die Bewilligung, dass die kleine Privatkapelle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden durfte. Sie ließen das Kloster dem hl. Josef weihen. Die Kapelle wurde wie bisher dem gekreuzigten Heiland geweiht. Im Jahre 1930 wurde der Tabernakel in den schlichten, weißen Marmoraltar eingebaut. Die Kapelle befand sich beim Nebeneingang im Nordosttrakt etwa dort, wo der zweite Stiegenaufgang in den ersten Stock führt. Sie nahm aber auch einen kleinen Teil des später bis 2011 betriebenen Kindergartens ein. Der Kapellenraum war klein und verwinkelt, sodass anfangs aus Platzmangel nur die Schwestern und die Klosterbediensteten, eventuell auch alte Dorfbewohner, an den Gottesdiensten teilnehmen durften.

Zu der 1953 durchgeführten Volksmission in der Pfarre Neumarkt wurde auch die Klosterkapelle herangezogen, die Neumarkter Pfarrkirche war zu klein. Im Weiteren wurden die Pläne, eine neue, größere Kapelle im Schloss zu bauen, umgesetzt. Der Festsaal im Obergeschoß des nordöstlichen Gebäudeteils, der die ganze Gebäudebreite einnahm, wurde dafür adaptiert. Für den Altarraum (Presbyterium) und die Sakristei wurde durch einen Anbau Platz geschaffen. Von der Straßenseite her wurde ein separater Eingang und eine lange, gerade Stiege in den ersten Stock zur neuen Kapelle geschaffen. Die gesamten Kosten wurden vom Kloster, bzw. dessen Mutterhaus übernommen. Am 10. Oktober 1954 weihte Bischofkoadjutor Franz König die neue Kapelle feierlich ein. Nun konnten alle kirchlichen Feste hier gefeiert werden und der von den Schwestern schon in den ersten Jahren ihres Wirkens gegründete Kapellenchor trug das seine dazu bei. Zur Zeit der Dominikanerinnen wurden die kirchlichen Feste in der Klosterkapelle mit dem jeweiligen Hausgeistlichen ebenso festlich zelebriert, wie in der Pfarrkirche in Neumarkt.

Ende 1959 baute man auf das Dach des Schlosses, über der Kapelle, einen kleinen hölzernen Turm und die 35 Kilo schwere Glocke wurde von der Nepomuk-Kapelle (vis á vis Firma Essmeister) übersiedelt und vor Weihnachten erfolgte die feierliche Einweihung. Seit 1974 wir diese, bis dahin händische erledigte Arbeit, von einem Elektromotor mit Schaltuhr besorgt.

Ostern 1964 feierte erstmalig Pater Ludwig Ilencik das Osterhochamt in der überfüllten Schlosskapelle. Durch sein eifriges Wirken fand in Kemmelbach auch in den folgenden Jahren ein fast pfarrähnlicher Betrieb mit Auferstehungs- und Fronleichnamsprozessionen sowie mit Erntedankfesten statt. Nur Begräbnisse von Kemmelbachern fanden in Neumarkt statt. Im Jahre 1969 wurde das Kloster aufgelassen. Frauen aus Kemmelbach und Königstetten übernahmen die Pflege der Kapelle. Pater Ludwig wurde als Kaplan der Pfarre Neumarkt zugeteilt und konnte seinen seelsorglichen Dienst in der Kapelle unverändert weiterführen. Neben seiner Tätigkeit als Kaplan und Geistlicher für die Schlosskapelle war Pater Ludwig auch als Seelsorger in der Krankenanstalt Ybbs tätig. Im Jahre 1976 wurde er ganz nach Ybbs versetzt. Nun führte Pfarrer Streißelberger (seit 1972 Pfarrer in Neumarkt) die Gottesdienste in Kemmelbach bis 1984 in nahezu gewohnter Weise weiter.

Die Schlosskapelle selbst hatte im Laufe der Zeit ihr Aussehen etwas geändert. In den frühen 1970ern wurde das Speisgitter entfernt und der Boden im ganzen Altarraum auf das Niveau der oberen Altarstufe angehoben. Ab 1984 wurde anstelle der Sonntagsmesse nur noch eine Vorabendmesse und eine Wochentagsmesse gefeiert. Bei der Christmette 1988 trat der Schlosskapellenchor das letzte Mal auf. Die Sängerinnen und Sänger verstärken seither den Kirchenchor in Neumarkt. 1991 wurde die letzte Christmette in der Kapelle gefeiert.

Mit der Erweiterung der Pfarrkirche in den Jahren von 1990 bis 1992 ist ein langjähriger Planungsprozess zum Abschluss gekommen und ausreichend Platz für die Pfarrbevölkerung geschaffen worden.

Im Jahre 2004 wurde die Schlosskapelle 50 Jahre alt, aus diesem Anlass wurde den letzten Renovierungsarbeiten (Böden, Wände) durchgeführt. Auch beim Altarraum wurden Änderungen vorgenommen, auf einen Volksaltar wurde nach längeren Überlegungen verzichtet. Ab September 2006 musste Pfarrer Streißelberger die Pfarre St. Martin mitbetreuen. Damit kam es zu einer neuerlichen Reduktion von Meßfeiern und Andachten.

Nachdem die NÖ Lebenshilfe im Frühjahr 2010 das Schloss von der Gemeinde kaufte, präsentierte sie auch gleich ihre weitreichenden Um- und Ausbaupläne. Dazu gehörte eine Verlegung der Kapelle an einen anderen Platz. Denn diese lag, nach den Umbauplänen, mitten im Bereich der geplanten künftigen Arbeitsgruppen. In eingehenden Beratungen mit der Pfarre Neumarkt wurde unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung gefunden. Die neue Kapelle liegt nun am anderen Ende des Schlosse, nämlich im Südwesttrakt und im Erdgeschoß. Vor allem für ältere oder auf einen Rollstuhl angewiesene Personen ist dieser barrierefreie Zugang eine deutliche Verbesserung, die das verringerte Platzangebot aufwiegen sollte.

Am Mittwoch, dem 14. Sep. 2011 hatte Pfarrer Daniel Kostrzycki mit 21 Besuchern die letzte Abendmesse gefeiert. In kürzest möglicher Zeit wurden die Umbauarbeiten für die Kapelle durchgeführt. Unter weitestgehender Verwendung der Elemente des vorhandenen Altares wurde der Raum zeitgemäß gestaltet und ein Volksaltar errichtet. Die Bestuhlung erfolgte weitgehend mobil, um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden.

Am 9. Dezember 2011 war der große Tag für die neue Kapelle. Diözesanbischof DDr. Klaus Küng weihte im Rahmen einer feierlich gestalteten Hl. Messe den Altar. Da die Kapelle nicht alle Besucher fassen konnte, wurde die Feier über eine Video-Wand ins Freie übertragen, sodass auch die Besucher im Zelt vor dem Schloss daran teilnehmen konnten. Die Agape nach der Hl.Messe bot Gelegenheit für persönliche Begegnungen mit dem Bischof. In der Kapelle wird einmal wöchentlich, jeweils Mittwochs, Heilige Messe gefeiert und einmal monatlich Eucharistische Andacht. Die Kapelle ist an Wochentagen tagsüber für Besucher geöffnet. Jeder ist herzlich eingeladen, die Kapelle zu besuchen – um sich von der Hektik des Alltags zurückzuziehen und im Gebet Gottes Nähe zu erfahren.

 Quelle: Kapitel über die Kapelle Kemmelbach aus dem Manuskript von Alois Kamleitner für die Chronik von Kemmelbach, die im Jahr 2012 erscheinen soll.

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