Gedanken zum Pfingstsonntag

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Erfüllt vom Heiligen Geist haben die Apostel die ersten christlichen Gemeinden gegründet. Sie waren selbst „Feuer und Flamme“. „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt“, so hören wir heute in der Lesung. Damals, vor Pfingsten in Jerusalem lebten die Jünger Jesu nicht lange aus der Freude über die Auferstehung Jesu. Jesus war ja jetzt nicht mehr bei ihnen. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll. Sie haben Angst davor, selbst verhaftet und getötet zu werden. Angst macht sie bewegungslos. Sie schließen sich aus lauter Angst ein und sie verstecken sich. Hinter Schloss und Riegel suchen sie Sicherheit. Dann passiert plötzlich etwas Neues. Sie werden ergriffen von Gottes Geist. Der Geist Gottes befreit sie von Angst. Sie gewinnen Glauben, Selbstvertrauen, Mut und Kraft. Sie sind neue Menschen geworden und durch sie wird die Kirche auch lebendig.

Liebe Mitchristen! Wie ist das bei uns? Wir klagen oft, dass nur wenig Kinder und Jugendliche in die Kirche kommen! Wir fragen: „Ist unsere Kirche eine sterbende Kirche?“ Ich glaube nicht, unsere Kirche ist eine lebendige Kirche. Wir haben den gleichen Heiligen Geist empfangen durch die Taufe und die Firmung wie damals die Jünger Jesu. Wenn wir lebendig sind in der Gemeinde Jesu, kann unsere Kirche auch nicht sterben. Ich bin diese Kirche. Ich muss meine Kirche neu entdecken und wiederbeleben. Wie eine langjährige Ehe, in der Gewohnheit und schlechte Angewohnheiten das zerstört haben, was einen verbunden hat. Ich will meine Kirche bewahren und retten. Die Rettung kommt nicht aus Rom, beginnt nicht im Vatikan, nicht in der Kurie, nicht bei den Kardinälen, Bischöfen, sondern vor unserer eigenen Haustür und von meinem eigenen Glauben.

Aber die Kirche ist dann tot, wenn der Glaube in uns, in den Gliedern der Kirche stirbt. Kirche ist dann tot, wenn wir vergessen, dass wir selbst Kirche sind. Kirche wird dort lebendig,

  • wo Menschen dem Heiligen Geist Raum geben,
  • wo Menschen von seiner Liebe entzündet werden,
  • wo Menschen einander lieben und achten.

Die Kirche ist da lebendig, wo die Menschen sich in Gottes Namen versammeln und beten.

Wir sind die Kirche. – Ja ich bin Kirche.

Überlegen wir uns: Wie kann die Kirche heute durch uns lebendiger werden.

Liebe Gemeinde! Ich wünsche uns am heutigen Fest die 7 Gaben des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist begleitet Sie auf ihrem Weg, der Welt die Liebe Gottes zu verkünden. Sie erfahren immer wieder, dass Gott genau dort anfängt, wo Sie selbst keine Möglichkeiten mehr sehen.

Liebe Gemeinde, wie kann ich diesen Heiligen Geist in meinem Leben erfahren? Ich denke, spürbar ist dieser Geist überall dort, wo Menschen für einander einstehen, auch ohne zu fragen, was sie dafür bekommen. Spürbar ist dieser Geist, wo Menschen in Treue zueinander stehen, in guten und in schlechten Tagen. Spürbar ist dieser Geist, wo Menschen im Gebet die Verbindung zu Gott bewahren – in der Familie, in der Gemeinde und im persönlichen Gebet.

Der Geist Gottes wirkt durch uns in unserem Lebensraum. Wenn jemand mir zulächelt, mir Mut macht und mir zuhört, spüre ich den Geist Gottes. Wenn jemand mich um Rat fragt, Zeit für mich hat, mir Vertrauen schenkt, mir die Hand reicht und mich ernst nimmt, ist Gottes Geist am Werk. So ist der Geist Gottes in uns und durch uns lebendig.

Liebe Gemeinde! Pfingsten bedeutet: das Wirken des Geistes zuzulassen, damit er das Antlitz der Erde erneuert. Wir können am heutigen Fest voller Freude miteinander so beten: „Komm, Heiliger Geist, erfülle unsere Herzen und entzünde in uns das Feuer deiner Liebe“!

Amen.

Pfr.Stephan

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