Gedanken zum Sonntag

Liebe Schwestern, Liebe Brüder!

Das heutige Evangelium (Joh 14,15-21) ist den Abschiedsreden Jesu entnommen.  Die Jünger fragen sich vor dem Pascha-Fest, wie es denn weitergeht, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen sein wird. Ein Leben ohne die sichtbare Gegenwart von Jesus war für die Jünger nur schwer vorstellbar.

Gerade in Zeiten von Corona stellt sich auch für uns die Frage: Wie ist der Herr für uns sichtbar?

Da gibt es die Einen die sich nach dem Empfang des Herrn in Form der Eucharistie sehnen und vielleicht seit März dazu keine Möglichkeit mehr gehabt haben. Und da gibt es die Anderen die unter dem Stichwort „Eucharistisches Fasten“ den Herrn in anderen Dingen und Begegnungen erfahren.

Wie ist der Herr für uns sichtbar, spürbar, erfassbar? Wie sieht er aus, der Weg zur Gemeinschaft, der Weg zum Glauben? Wo finde ich die Spuren Gottes?   Im Evangelium hören wir Jesus selbst, der den Jüngern Mut macht für die Zeit, in der er nicht mehr leiblich bei ihnen ist.

„Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch!“

Es ist nicht mehr der irdische Jesus, aber wir haben Zeugnisse über seine Worte und sein Leben in der Heiligen Schrift. Wir haben die Erfahrungen vieler gläubiger Menschen.  Wir haben die Sakramente, Gebete, Lieder und Zeichen, die uns mit Jesus in Berührung bringen. Damals wie heute ist es wichtig, nicht allein auf dem Weg zu sein, die Gemeinschaft mit anderen Glaubenden, mit anderen Suchenden zu finden.  Das bestärkt uns, wenn Fragen oder Zweifel kommen, das eröffnet neue Sichtweisen und ermöglicht neue Erfahrungen.  Alleine zu glauben ist auf Dauer schwer, in der Gemeinschaft liegt Unterstützung und auch Wegweisung.

Was die Menschen damals in Jesus gefunden hatten, erfüllte sie – und was sie erfüllte, konnten sie nicht für sich behalten.  Das mussten sie weitererzählen und das prägte ihr Tun und ihr Miteinander, natürlich auch damals mit Auseinandersetzungen und Schwächen. Aber die junge Kirche war sehr lebendig! Der Blick auf diese junge Kirche gibt reichlich Anhaltspunkte für unseren Weg als Gemeinde und Kirche in dieser für uns oft unverständlichen Welt.

Diakon Christian Mayr