Gedanken zum 2. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

Der Apostel Thomas wird oft als der Ungläubige abgestempelt. Aber warum eigentlich?
Thomas war nicht dabei, als Jesus den anderen Aposteln erschienen ist. Sie haben Jesus gesehen und berichten Thomas davon, doch diese Erzählung allein reicht ihm nicht. Er selbst möchte Jesus sehen und berühren. Wenn wir etwas nicht verstehen, dann sagen wir oft:
Ich kann es nicht begreifen. Begreifen hat etwas mit angreifen zu tun. Thomas möchte Jesus, den Auferstandenen, selber erfahren und nicht einfach nur Erzähltes nachplappern.

In den Evangelien wird öfters davon berichtet, dass Menschen Jesus sehen und berühren möchten. Umgekehrt berührt auch Jesus Menschen, wenn er beispielsweise die Hand der Schwiegermutter des Petrus anfasst und sie heilt.

Die Sakramente machen Gott „angreifbar“. Sie sind sichtbare Zeichen der unsichtbaren Liebe, die Gott zu uns Menschen hat. Alle Sakramente leben von diesen sinnlichen Berührungen, sie wollen uns den unsichtbaren Gott begreifbar machen. Einige Sakramente bestehen neben dem gesprochenen Wort auch aus einem sichtbaren Element: Wasser bei der Taufe, Öl bei der Firmung und Krankensalbung, Brot und Wein bei der Eucharistie und die Handauflegung bei der Weihe. Beim Empfang der Sakramente berührt uns Gott mit seiner Liebe.

In dieser aktuell schwierigen Zeit, wo der Empfang der Sakramente gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist, fragen sich viele Menschen: Wie kann ich Gott begegnen?
Jesus spricht zu uns: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20) Überall dort, wo Menschen miteinander beten, ist Gott da. Vielleicht habt ihr das schon einmal selbst erlebt: Wenn ich einem Menschen sage „Ich bete für dich“, dann bin ich mit diesem Menschen verbunden. Wenn ich aber zusätzlich zu dieser Gebetszusage die Hand dieses Menschen halte, ihn umarme oder ihm meine Hände auflege, dann wird das gesprochene Wort noch intensiver. Genau das hat Jesus immer wieder getan und die Menschen waren berührt davon.

Wir dürfen Thomas nicht als den Ungläubigen abstempeln, als sei es ihm nur darum gegangen die Auferstehung Jesu zu beweisen. Thomas sehnt sich nach Gott, nach Jesus, seinem Freund.
Freunde umarmen sich und beten füreinander. Vielleicht ist das ein Grund, warum er Jesus selbst sehen und berühren wollte.

Auch wenn es derzeit heißt „Abstand halten“ und auf Berührungen zu verzichten, lade ich euch ein, als Paar oder in eurer Familie füreinander zu beten. Sprecht darüber, wie es euch geht, was euch Angst macht und über das, was Freude bereitet. Gott ist da. Haltet euch dabei an den Händen und segnet euch mit einem Kreuzzeichen. Wenn ihr jemanden kennt, der alleine wohnt, dann lade ich euch ein, diese Person anzurufen und über das Telefon ein gemeinsames Gebet zu sprechen.

Stärken und trösten wir uns gegenseitig in dieser herausfordernden Zeit. Gott ist immer bei uns. Wir können zwar noch nicht gemeinsam am Tisch des Herrn feiern, aber das heutige Evangelium zeigt uns eine Perspektive: „Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“ (Joh 20,20) Diese Zeit wird wieder kommen, wo auch wir uns freuen dürfen, dass der Herr sichtbar in der Eucharistie unter uns ist.

Pfarrhelfer Christoph Putschögl

Foto von fotografierende von Pexels