Gedanken zum Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Die freudige Botschaft von heute lautet: „Jesus ist auferstanden, Jesus ist in unserer Mitte!“ – Sollten wir da nicht jubeln, tanzen und singen vor lauter Freude? Müssten unsere Gesichter nicht strahlen und lachen? Sehen wir uns jedoch um: Vielerorts Ratlosigkeit, Unsicherheit, Angst! Die Grundordnungen der Welt, wie wir sie kennen, wanken. Unsere so selbstverständliche Lebensweise gibt es nicht mehr; vielleicht kommt sie auch nicht mehr zurück. Das ängstigt uns! – Wer kennt die Antwort, was die Zukunft bringen wird?

Vor 2000 Jahren war es ähnlich! – Die Frauen kamen voll Trauer im Herzen zum Grab – und fanden es leer! Schrecken und Entsetzen! Ist der Leichnam geraubt worden? Ist Jesus vom Tode erweckt worden wie Lazarus? Dürfen sie an eine Auferstehung glauben? Dann jedoch geschieht das Unfassbare: Christus begegnet Maria von Magdala und danach vielen von ihnen! Voll Freude eilen sie alle zu den Jüngern und berichten über das große Ereignis.

Blicken wir auf Maria von Magdala. Sie steht am Grab Jesu und weint. Das ist eine natürliche, menschliche Regung angesichts des Todes. Auch wir weinen manchmal über die Situation unserer Gesellschaft, über die vielen Toten und Kranken, über die Lage unserer Kirche und über unser eigenes Leben. – Was hilft?

Maria Magdalena hat inmitten ihres Weinens Jesus erkannt. Das hat ihr Leben verwandelt. Der starke Glaube an Jesus hat ihr die Kraft gegeben, ihre Trauer zu durchleben und zu überwinden, Jesus treu zu bleiben – und dann voll Freude den auferstandenen Jesus zu verkünden.

Auch wir können im Blick auf den Auferstandenen Zuversicht für unser Leben gewinnen! Wenn wir an die Kraft, die uns der auferstandene Jesus schenkt, glauben, werden wir die heutige Krise als eine Zeit der Wahrheit annehmen und erkennen. Sie wird uns vor Augen führen, was in unserem Leben wesentlich ist und was nicht, was wir ändern sollen und was uns begleitet. Vermutlich werden wir feststellen, dass wir auf vieles verzichten können, dass wir vieles nicht brauchen. Vielleicht wächst aus Drangsal und Mühe auch Einsicht und Leichtigkeit. Nützen wir die einmalige Chance, unsere Lebensweise zu überdenken, sie zum Besseren, zu einem sinnerfüllten Dasein zu wenden!

Lasst uns glauben und vertrauen: Mit Gottes Hilfe ist nichts unmöglich! (Lukas 1,37).

Ich schließe meine Gedanken mit einem Gebet.

Guter Gott! Wir bitten dich um alles, was wir uns von Herzen wünschen: um Freude an unserer Arbeit, vor allem aber um Gesundheit und einen sicheren Weg.

Wir erbitten von dir, was wir am meisten brauchen, um Mensch zu sein: die Zuneigung derer, mit denen wir leben, die Treue unserer Freunde, die Liebe derer, die wir lieben, und den Großmut aller, vor denen wir im Unrecht sind.

Wir bitten dich, guter Gott, um eine sichere Zukunft für die Kinder und um glückliche Tage für unsere älteren Mitmenschen sowie um Genesung für unsere Kranken. Amen.

Pfr. Stephan

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